He-Man.de20.05.2012
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Episode 32 - Angriff der Wilden Horde (Teil 3)

„Du wirst diese Tür nicht öffnen!“

Es war Orko, der sich Hordak in den Weg gestellt hatte und vom Herrn der Horde nun mit einem bösen Blick angefunkelt wurde.

„Du kleiner Gnom!“, zischte Hordak.

„Aber Hordak.“, erwiderte der schwebende Winzling. „Ich bin doch kein Gnom. Ich bin ein Trollaner.“

„Egal.“ Hordak setzte Orko mit einem einzigen gezielten Energieangriff außer Gefecht.

„Es tut mir leid, Sorceress.“, stöhnte der kleine Trollaner, bevor er schließlich bewusstlos wurde.

Hordak wollte dem kleinen Magier gerade den Rest geben, als plötzlich jemand seine Hand packte.

„Ich weiß nicht, wer du bist oder was du hier verloren hast, aber wage es nicht noch einmal deine Hand gegen meinen Freund zu erheben.“

„Du bist entweder sehr mutig oder einfach nur dumm.“ Hordak sah den Mann, der seine Hand festhielt mit durchdringendem Blick an. „Ich bin Hordak, der neue Herrscher von Eternia.“

„Ich bin He-Man und da habe ich wohl noch ein Wörtchen mitzureden.“

He-Man gab Hordak ohne jegliche Vorwarnung einen gewaltigen Kinnhaken, woraufhin dieser quer durch den Raum geschleudert wurde.

„Das war ein Fehler.“, zischte Hordak während seine Augen vor Wut rot aufglühten.

He-Man, der nun wenige Meter von seinem Gegner entfernt stand, ließ seine Fingerknochen knacken. Während die Schlacht um Grayskull und die Zukunft Eternias um ihn herum getobt hatte, war er aus seinem Koma erwacht. Der Held hatte zu neuen Kräften gefunden, trug aber weder seinen Brustharnisch, noch seine Schlangenrüstung. Eine andere, neue Rüstung schützte nun He-Mans Oberkörper. Sie glänzte wie edelstes Silber, war gleichzeitig jedoch fester als jedes andere bekannte Metall. Kein Schwert würde diese magische Rüstung durchdringen. He-Mans Bewegungen wurden dadurch nicht eingeschränkt. Die Zauberrüstung passte sich dynamisch jeder seiner Bewegungen an. Eternias größter Held konnte sich mit ihr so frei bewegen, als wäre sein Oberkörper unbekleidet.

Hordak sollte sich von den Fähigkeiten der Rüstung selbst überzeugen, als er einen Energiestrahl auf He-Man abfeuerte, der an diesem abprallte ohne auch nur den geringsten Kratzer zu hinterlassen.

„Dann eben anders.“ Hordaks Brust erstrahlte kurzzeitig in einem blauen Licht. Kurz darauf öffnete sich sein Brustkorb und entließ mehrere kreisrunde Sägeblätter, die auf He-Man zuflogen. Dieser wehrte zwei davon mit seinem Zauberschwert ab, während ein drittes Sägeblatt seine Rüstung traf. Als Hordak erkannte, dass die Rüstung des Gegners abermals keinen Schaden genommen hatte, verwandelte er seinen Brustkorb zurück und transformierte nun seinen rechten Arm in eine Waffe. Was im ersten Moment wie der Rotor eines Fluggerätes wirkte, war in Wirklichkeit eine Art Zange mit der Hordak seinen Gegner packte und über seinen Kopf hob. Er ließ He-Man wie einen Wirbelsturm über sich kreisen und schleuderte ihn dann quer durch den Raum an die gegenüberliegende Wand.

He-Man wischte sich den Staub aus dem Gesicht und stand gleich wieder auf. Dieser letzte Angriff von Hordak hatte gesessen. Doch so leicht ließ er sich nicht besiegen.

„Jetzt bin ich mit Austeilen dran.“, rief er dem Herrn der Horde zu und ging zum Angriff über.

 

*

 

She-Ra hatte den Geschmack von Blut auf der Zunge und ihre linke Schulter, an der sie Grizzlor mit seinem Messer verletzt hatte, schmerzte wie die Hölle. Sie musste zusehen, dass sie den Kampf mit dem Jäger der Horde schnellstmöglich beendete. Lange würde sie im direkten Kampf mit diesem Monster nicht mehr bestehen können. Sie hatte Grizzlor in der Vergangenheit zwar schon einmal besiegt, aber damals hatte er sie unterschätzt. Ein Fehler, den er diesmal nicht beging. Grizzlor konzentrierte sich ausschließlich auf den Kampf mit She-Ra. Es schien so, als würde die Schlacht um sie herum gar nicht existierten. Er kämpfte wie ein Besessener. Die Prinzessin der Macht befand sich nur noch in der Defensive. Dann kam schließlich ein Moment, in dem sie Grizzlors Angriff nicht parieren konnte. Der nächste Treffer würde sie tödlich treffen. Doch die Fixierung auf She-Ra war Grizzlors größter Fehler, denn er sah nicht, wie Buzz-Off herbei geeilt kam und sich in einer heldenhaften Aktion zwischen She-Ra und Grizzlor warf. Schwer verletzt ging der Herr der Wespen zu Boden.

„Buzz-Off!“, rief She-Ra entsetzt. In ihrem Zorn packte sie den völlig überraschten Grizzlor und warf ihn mit voller Wucht auf Leech, um somit beide Kämpfer außer Gefecht zu setzen – zumindest für den Moment. Sie würden sich schon bald wieder aufrappeln und erneut in die Schlacht eingreifen.

„Halte durch Buzz-Off.“ She-Ra kniete sich neben den verletzten Freund.

„Wir kämpfen gemeinsam und wir gehen gemeinsam unter.“, röchelte dieser.

„Nein, mein Freund.“, entgegnete She-Ra mit entschlossener Stimme. „Es mag eines Tages der Tag kommen, an dem wir wirklich untergehen. Doch dieser Tag ist nicht heute. Nicht wenn ich es verhindern kann.“

She-Ra legte ihre Hände auf Buzz-Offs Brust und beschwor die Geister der Heilung – so wie es sie die Sorceress gelehrt hatte.

„Ich kann dich nicht vollständig heilen.“, erklärte sie ihm. „Doch es wird ausreichen, damit du weiterkämpfen kannst.“

She-Ra hatte den Zauber gerade abgeschlossen, als jemand nach ihr rief. Es war Man-At-Arms. Er erklärte ihr, dass Hordak das Schloss betreten habe und sie sich beeilen müsse, um das Schlimmste zu verhindern. She-Ra zögerte keine Sekunde und eilte ins Innere von Grayskull.

 

*

Der Kampf gegen Hordak verlangte He-Man sein ganzes Können ab. Der Herr der Wilden Horde war wahrlich kein einfacher Gegner und He-Man wurde mehr als einmal zu Boden geworfen. Doch er stand immer wieder auf. Ihm blieb gar keine andere Wahl. Er war der letzte Schutzwall, das sich zwischen Hordak und den Geheimnissen von Grayskull befand. Doch selbst mit der Zauberrüstung stellte sich ihm die Frage, wie lange er allein gegen einen solch starken Gegner bestehen konnte? Doch noch bevor sich dieser flüchtige Gedanke in echte Zweifel wandeln konnte, erhielt He-Man Unterstützung durch eine ihm unbekannte, jungen Kriegerin. Ihre Erscheinen überraschte Hordak und so konnte sie ihm einen kräftigen Schlag verpassen, der ihn kurz benommen machte. Als er sich wieder gefangen hatte, revanchierte Hordak sich sogleich mit einem magischen Angriff, der seine Angreiferin zurück schleuderte. He-Man konnte sie gerade noch abfangen, sonst wäre sie mit voller Wucht gegen die nächste Wand geprallt.

„Alles in Ordnung?“, fragte er fürsorglich.

Als die Frau nickte, ließ He-Man sie wieder los, so dass sie wieder frei stehen konnte.

„Du hast einen kräftigen Schlag. Wer bist du?“

„Eine Freundin, die in deiner Abwesenheit Grayskull beschützte.“, erwiderte She-Ra. „Alles andere erkläre ich dir später. Wir sollten uns zunächst um dieses Scheusal hier kümmern.“

Das ließ sich He-Man nicht zweimal sagen und so griffen die beiden Krieger den Herrn der Horde gemeinsam an. Doch auch mit vereinten Kräften waren sie der Übermacht von Hordak nicht gewachsen. Es schien gerade so, als Kämpfe dieser um so verbissener, da die Macht von Grayskull zum Greifen nah war. Sicherlich – auch er wurde körperlich zusehends schwächer. Doch blieb er He-Man und She-Ra durch seine magischen Kräfte stets überlegen.

„Es ist erstaunlich.“, lachte Hordak und wischte sich dabei etwas von seinem eigenen Blut aus dem Gesicht. „Ich habe mir die Macht von Grayskull noch nicht einverleibt, aber dennoch spüre ich, wie ihre unmittelbare Nähe meine eigenen magischen Kräfte wachsen lässt.“

„Das ist nur ein vorübergehender Zustand.“

Hordak sah erstaunt in Richtung der Sorceress, die den Raum gerade betreten hatte.

„Du kannst noch stehen? Ich bin überrascht.“

„Während unseres letzten Kampfes war ich noch damit beschäftigt, He-Mans Heilung zu beschleunigen.“, erklärte die Sorceress. „Ich versichere dir, dass du diesmal kein so leichtes Spiel mit mir hast.“

„Ihr werdet mich nicht daran hindern, mir die Macht von Grayskull einzuverleiben.“

„Du willst die Macht von Grayskull Hordak? Dann pass jetzt gut auf. Denn genau die werde ich dir nun zeigen.“

Hordak spürte voller Entsetzen, wie die Macht, die ihn zuvor noch gestärkt hatte, nun gegen sich stellte und ihn fesselte.

„Schnell! Ich kann ihn nicht lange halten.“, rief die Sorceress in Richtung von He-Man und She-Ra. Die beiden Krieger setzen augenblicklich zum gemeinsamen, finalen Schlag an und schickten Hordak mit einem synchronen Faustschlag zu Boden.

„Du bist geschlagen und wirst nun in die Verbannung zurückkehren, aus der du entkommen bist.“

Plötzlich fing Hordak an zu lachen. Es fiel ihm zwar sichtlich schwer alleine aufzustehen – so sehr war sein Körper mittlerweile geschwächt – doch das Böse flammte nach wie vor in seinen Augen auf.

„Närrin! So einfach ist die Wilde Horde nicht zu besiegen. Diesen Kampf habt ihr vielleicht gewonnen, aber der Krieg ist noch lange nicht zu Ende.“

Hordak verwandelte sich in einen Feuerball und floh aus Castle Grayskull.

Die Sorceress sah ihm nach und seufzte.

„Er hat leider Recht. Nun, da das Tor zur Dunkelheit aufgestoßen wurde, lässt es sich nicht mehr so einfach schließen.“

He-Man nickte verstehend uns ging zu dem noch immer bewusstlosen Orko.

„Hordak hat ihm ganz schön zugesetzt.“, stellte er besorgt fest.

„Hab keine Angst.“ She-Ra legte He-Man beruhigend ihre Hand auf die Schulter. „Er wird durchkommen. Das spüre ich.“

„Verzeih, ich habe dir noch gar nicht für deine Hilfe gedankt.“ He-Man übergab den kleinen Trollaner an die Sorceress und reichte She-Ra die Hand.

„Das musst du auch nicht.“ Sie lächelte ihn warmherzig an. „Dafür sind Geschwister doch da.“

Als He-Man sie mit verdutztem Blick ansah, musste She-Ra unweigerlich schmunzeln. All die Anspannung der letzten Wochen fiel mit einem Mal von ihr ab und dafür bedankte sie sich bei ihrem Bruder mit einer Umarmung.

„Es ist viel passiert, seit du ins Koma gefallen bist, Bruder. Ich freue mich darauf, dir alles zu erzählen.“

 

*

 

Nachdem Hordak geflohen war, hatte sich auch seine Armee zurückgezogen. Sogleich hatten sich Shuyin und Man-At-Arms aufgemacht, um nach den Freunden im Innern von Schloss Grayskull zu sehen. Mit Erleichterung stellten sie schließlich fest, dass alle unversehrt waren und das selbst He-Man aus seinem Koma erwacht war. Doch letzterer teilte die allgemeine Freude keineswegs. Denn als er Shuyin erkannte, griff er nach seinem Zauberschwert und ging in Kampfstellung.

„Du wagst es, hier erneut aufzutauchen?“, rief er Shuyin ungehalten entgegen – wohlwissend, dass dieser ihn nur in der Gestalt Prinz Adams kannte (vgl. Folge 7: Der galaktische Krieger - Anm. d. Autors). Doch die Sorceress ging sogleich dazwischen und entschärfte die Situation, indem sie erklärte, wer Shuyin in Wirklichkeit war.

„Ich verstehe.“ He-Man seufzte. „Ich hake das wohl am besten auch unter dem Punkt ‚Geschehnisse während des Komas’ ab.“

„Ich bin froh, dass es dir gut geht.“ Es war She-Ra, die sich nun an Shuyin wandte. „Es tut mir leid, dass ich dir da draußen nicht den Rücken freihalten konnte.“

„Du musst dich nicht schuldig fühlen. Es ging ja noch mal gut aus. Du wirst aus diesem Fehler lernen und ihn kein zweites Mal begehen.“

„Shuyin hat Recht.“ Es war Man-At-Arms der nun sprach. „Du solltest unseren Sieg genießen. Wir müssen früh genug wieder das Schwert gegen die Mächte des Bösen erheben. Feiere ein wenig mit den anderen Kriegern und bevor ich es vergesse: Draußen befindet sich eine Wespe, die sich über deinen Besuch freuen würde.“

„Hordak! Ich werde nicht zulassen, dass du die Geheimnisse von Grayskull stiehlst!“

Die Gruppe sah mit überraschten Blicken auf Orko, der aus seiner Besinnungslosigkeit erwacht war und dabei noch nicht bemerkt hatte, dass sich die Situation um ihn herum geändert hatte. Freudiges Gelächter hallte nun durch die Hallen von Grayskull, die nur knapp einer Katastrophe entgangen waren.

 

*

 

Kurze Zeit später trat She-Ra vor die Burg und besuchte Buzz-Off, dem sie mit ihren Kräften das Leben gerettet hatte. Der Herr der Wespen saß mit dem Rücken zu ihr auf den Überresten eines zerstörten Horde Troopers, wodurch er sie zunächst nicht bemerkte.

„Ich bin froh, dass du es geschafft hast, mein Freund.“, sagte She-Ra mit einfühlsamer Stimme und berührte Buzz-Off sanft an der Schulter.

„Ach wirklich?“, erwiderte dieser abweisend.

Überrascht von Buzz-Offs kalter Reaktion zog She-Ra ihre Hand zurück.

„Aber was hast du denn?“

„Du hast mir vielleicht das Leben gerettet, aber...“ Der Herr der Wespen stand auf. „Sieh her.“

Er breitete seine Flügel aus - oder zumindest das, was davon übrig war. Denn während sein rechter Flügel unverletzt war, bestand der linke nur noch aus einem kleinen Stummel.

„Du hättest mich besser auf dem Schlachtfeld in Ehre sterben lassen, She-Ra. Denn nun muss ich mit dieser Schande leben.“

 

*

 

Die Hüterin von Grayskull stand auf den Zinnen ihrer Burg und überschaute das Schlachtfeld. Sie dachte darüber nach wie viele Leben das Geheimnis von Grayskull wohl diesmal gekostet hatte und sie fragte sich, ob es das wirklich wert war. Vielleicht sollte sie das Schloss dem Zugriff der Menschen völlig entziehen, so wie es ihre Vorgängerin gemacht hatte. Kodak Ungur, so der Name der ehemaligen Hüterin, hatte Castle Grayskull hinter einem dünnen Schleier im Raum-Zeit-Gefüge versteckt. Niemand hatte die Burg sehen können und nur wage Legenden hatten über jenen Ort existiert, an dem die größte Macht des Universums ruhte.

„Tu das nicht.“ Es war die Stimme Shuyin, die hinter ihr erklang.

„Was soll ich nicht tun?“

„Dir die Schuld an all dem geben.“

„Aber es war damals meine Entscheidung Grayskull nicht länger zu verstecken.“

„Und es war – und ist – eine gute Entscheidung.“ Shuyin umarmte seine Frau liebevoll und flüsterte ihr ihren wahren Namen ins Ohr.

„Teelana.“

Die Sorceress schloss die Augen. Es schien Ewigkeiten her zu sein, seit sie das letzte Mal jemand so genannt hatte. Für einen kurzen Moment floh sie in ihren Gedanken in die Zeit, als Grayskull für sie nicht mehr als eine Legende dargestellt hatte. Sie floh in eine Zeit, in der sie wirklich frei gewesen war.

Doch dann erinnerte sie sich an jenen unheilvollen Moment in ihrem Leben, als die Wilde Horde das erste Mal auf Eternia eingefallen war. Erinnerte sich daran, wie das unschuldige Mädchen von damals in ein Sklavenlager gesteckt worden war und an den alten Mann, der ihr die Legende von Grayskull erzählt hatte.

Eine Flucht.

Eine schicksalhafte Begegnung.

Teelana - die neue Hüterin von Castle Grayskull.

Die Sorceress war im hier und jetzt angelangt und öffnete ihre Augen. So endete es immer, wenn sie sich an ihre Zeit als Teelana erinnerte. Aber sie wusste dann wieder genau, warum sie all das tat und warum Eternia das Schloss Grayskull brauchte. Denn es war die letzte Bastion, die sich zwischen dem Licht und der Dunkelheit befand.

 

*

 

Die Nacht war über Castle Grayskull herein gebrochen und noch immer waren die Verteidiger mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Man-At-Arms hatte helle Scheinwerfer errichten lassen, die ihnen die Arbeit erleichterten. Aus Respekt an den gefallenen Kameraden, wollten sie diese nicht bis zum Morgengrauen auf dem Schlachtfeld liegen lassen und so sollte ihre Arbeit noch einige Stunden in Anspruch nehmen bis sie schließlich den letzten Gefallenen finden und begraben würden.

Einer half jedoch nicht bei den Aufräumarbeiten. Von Dunkelheit umhüllt stand He-Man auf einem abgelegenen Hügel und beobachtete die Kameraden bei ihrer Arbeit.

„Ich habe auf dich gewartet.“, sagte er schließlich in die Dunkelheit hinein. Zwei leere Augenhöhlen glühten sogleich in einem blassen, roten Licht auf und verhalfen dem Antlitz Skeletors an Kontur zu gewinnen.

„Nicht die Sorceress, sondern Du warst es, der mir geholfen hat, aus dem Koma zu erwachen, oder?“

„Ja.“, erwiderte der Herr des Bösen knapp. Entschied sich dann aber doch die Geschehnisse etwas auszuführen. „Die Sorceress mag sehr stark sein, doch ist sie die Hüterin des Lichts und so bleiben ihr so manche Geheimnisse der Magie der Finsternis verborgen.“

„Verbotene, schwarze Magie also.“

„Genau. Ihr hast du auch deine neue Zauberrüstung zu verdanken.“

Diese Offenbarung überraschte He-Man. Hatte ihm die Sorceress zuvor doch erklärt, dass sie seine alte Rüstung mit neuer Kraft beseelt habe. Skeletor erklärte ihm daraufhin, wie er die beiden Zauber miteinander verwoben hatte und daraus eine Rüstung geschaffen hatte, die jeder Klinge trotzen würde.

„Auch wenn deine Motive sicherlich nicht von Nächstenliebe geprägt waren, möchte ich dir dennoch danken.“, sagte He-Man schließlich.

„Das kannst du dir schenken.“, erwiderte Skeletor abfällig. „In meinem Kampf gegen Hordak warst du nur Mittel zum Zweck.“

„Ich würde dir gerne ein Bündnis vorschlagen. Aber wir beide wissen, dass es so nicht funktioniert.“

„Ja, dafür wissen wir zu gut, wie es zwischen uns enden wird. Irgendwann werde ich dich töten oder du tötest mich. Vielleicht töten wir uns auch gegenseitig. Es gibt nur diesen einen Weg an dessen Ende der Tod steht.“

„Dessen bin ich mir stets bewusst.“ He-Man schwieg einen Moment und sah in die dunkle Nacht hinaus. „Aber ich wollte diesen Weg nicht beschreiten ohne zumindest einmal zu versuchen eine Alternative zu finden.“

Eine Antwort erwartend, drehte sich He-Man um. Doch der Herr des Bösen war verschwunden.

 

*

 

Die Schrecken des Krieges hatten an jenem Tag vor den Toren von Schloss Grayskull unzählige Leben ausgelöscht. Doch anderswo hatte ein Kind gerade erst das Licht der Welt erblickt. Erschöpft von der Geburt hielt Evil-Lyn liebevoll ihren Knaben in Armen. An ihrer Seite stand Graf Marzo, der das Kind mit listigen Blicken beäugte und sich dabei fragte, wer wohl der Vater des Neugeborenen sei. Er ahnte nicht annähernd die Bedeutung, die das Kind für das Schicksal Eternias haben würde. Tausende von Metern entfernt, tat dies ein Anderer jedoch nur zu gut. Die Geburt des Kindes hatte ihn aus einem fast eintausend Jahre andauernden Schlaf erweckt. Die Zukunft von ganz Eternia drohte durch die bloße Existenz dieses Kindes aus dem Gleichgewicht zu geraten und in einem Meer von Blut zu versinken. Dies konnte er unter keinen Umständen geschehen lassen. Nicht noch einmal. Das Kind musste beseitigt werden.

„Das Gleichgewicht muss gewahrt bleiben.“, seine Stimme hallte, angefüllt mit eisiger Kälte, durch das Nirgendwo. „Eternia darf weder vereint, noch erobert werden.“

Schon bald sollte Eternia die Bedeutung wahrer Furcht kennen lernen, denn Scareglow war zurückgekehrt. 

 

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